Von meiner früheren, naiven, unhinterfragten Solidarität mit Frauen war nicht mehr viel übrig. Gerade die Damen, die viel von ihrer Emanzipiertheit sprechen, sind von wirklicher Freiheit soweit entfernt, wie der Regen draußen davon, sich in Sonnenschein aufzulösen. Wenn sie merken, dass es wirklich anstrengend ist, in eine Position zu gelangen, in der man die Welt minimal beeinflussen kann, entscheiden sie sich fast immer gegen die Verantwortung. Gegen die Machtkämpfe und Ungemütlichkeit, gegen die unglamuröse Forschung, die öde politische Arbeit, die unangenehme Aufgabe, Menschen zu entlassen und werden schwanger. – oder machen etwas Kreatives, etwas mit Sprache, weil Frauen ja so gut reden können. Und dann sitzen sie in Cafés und quatschen über Rolfing und lesen Frauenzeitschriften, die von Frauen gemacht werden, die lieber Sätze über anorektische Filmstars schreiben, als echte Informationen, oder Texte, die den Leser anstrengen, ihm eine Idee schenken. Dann kommen sie in die Wechseljahre und heißen Imke, oder Claudia und fallen in hormonell bedingte Depressionen. Ihr Leid schreiben sie aber den Männern zu, die sie am Fortkommen gehindert hätten und wenn sie die Wahl haben, dann nehmen sie immer einen erfolgreichen, großen Partner. Die Biologie, sie wissen schon. Ohne nachzudenken, verraten sie all die Ideen, die ein paar wirklich freie Damen gehabt haben. Die sich aufgemacht haben, um dafür zu kämpfen, damit sich nun ein neues Heer von faulen Weibern auf ihren halbverstandenen Ideologien ausruht, von denen sie nur Überschriften zitieren. Ihr kleiner Verstand träumt von wilder Leidenschaft mit einem Cro Magnon und der Ehe mit einem Mann, der morgens das Haus verlässt, dass sie dann mit blütenweißen Gardinen und gut erzogenen Kindern schmücken. Vermutlich bekommen die Meisten genau dass, was sie sich Kraft ihres Geistes verdient haben . . .
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